Eigentlich war ich bis jetzt immer so der Hörer Kategorie „Schmalzborer“. Angefangen hat das, wenn ich mich recht erinnere mit dem Erwerb meine Gameboys, das müsste so etwa 18 Jahre her sein. Im Lieferumfang des Gameboys waren zwei In-Ear-Ohrstöpsel dabei, furchtbar unergonomisch und mit farblich abgesetztem roten bzw. blauen Streifen; den hygienischen Stoff-Plastik-Überzug nicht zu vergessen. Irgendwann folgten diverse Walkman‘s als ich das Hometaping entdeckte, CD-Player als ich großartige Musikzusammenstellungen deutscher Jugendmagazine entdeckte und mit 15 hatte ich mein erstes Handy, was MP3s abspielte, ein Siemens SL45i mit 32MB SD-Karte.
Bis auf den Lieferumfang des Walkman hatten alle Geräte immer diese Schmalzbohr-Ohrstöpfsel-Dinger mitverkauft, lediglich der Walkman hielt sich wacker mit einer dieser irrsinnigen Konstruktionen aus Draht, Plastik und so. Danach folgten eine Vielzahl von mehr oder weniger schlechten Smartphones bei denen man lieber gleich auf das Musikhören verzichtete, ziemlich parallel begann der Aufstieg des iPod (von dem ich iPod 2G sowie iPod Photo besaß, letzterer heute noch im Einsatz) und irgendwann im November 2007 kaufte ich dann das iPhone. Seit je her hatte sich die Zeit des täglichen Musikhörens stetig gesteigert. Irgendwann (mit steigendem Speicherplatz) dann auch die Anzahl der unterschiedlichen Lieder, die man hören konnte und eigentlich war das auch alles immer ziemlich gut, bis auf, dass mir diese unergonomischen Ohrstöpsel eigentlich nie gefielen. Mitgelieferte gingen eh immer schnell kaputt und durch Schüler-/Azubibudgets waren eigentlich auch nie teurere Produkte als für 30 Euro drin.
Irgendwann zwischendrin hatte ich mal einen Kopfhörer von AKG zum Zusammenklappen,
„voll Plastik“ und ziemlich schnell kaputt.
Genervt von zusammenklappbaren Kopfhörern stieg ich wieder auf In-Ears um und war aber nicht weniger genervt – schließlich verlor ich immer diese Gummiaufstecker für jeweilige Seite und hatte damit auch nicht weniger Spaß. Letzte oder vorletzte Woche überlegte ich dann, ob ich es mit den Kopfhörern nicht noch einmal versuchen sollte. Ich hörte vom Modell „Marshall Major“, sah selbigen auch in einem überteuerten Stuttgarter Szeneladen und bestellte ihn bei Amazon für knapp 20 Euro weniger (Preis: 99€), nachdem ich ein paar Testberichte und Unboxing-Videos sah, bei dem das Gerät doch durchaus gut weg kam, für meine Zwecke zumindest.
Was sind meine Zwecke? Ein halbwegs mobiles Gerät, ein annehmbarer Klang (ein guter Klang wäre wünschenswert, aber bei musikalischem Ausgangsmaterial mit einer Bitrate von 192kbps – und das hat die meiste Musik, die ich höre – ist es ohnehin eine Farce, teure Kopfhörer zu kaufen.)
Angekommen, ausgepackt, ausprobiert, zufrieden – denn das Gerät macht einen sehr soliden und auch aufwändigen Eindruck. Die „Stoffenden“ sind gescheid vernäht und auch an Details fehlt es dem Gerät nicht im geringsten. Hier eine goldene Spule, um das Ende des Kabels zu stärken, dort eine aufgedruckte Signatur von Marshall-Besitzer Jim Marshall, eine Logoprägung auf der Außenseite der Hörmuscheln, ein großartiges Spiralkabel, wie man es von Ommas Telefonhörer kennt und zu alle dem noch ein guter Tragekomfort in solider retro-chicen Optik.


Klar sagt der audiophile Blogleser – meine teuren Kopfhörer von XY können das auch alles, außerdem haben sie noch dies und jenes Feature. Nur sehen sie nicht so schön aus. Und gerade das ist es ja. Wenn, wie letzten Freitag zum Beispiel, ein Mensch neben mir im Zug von Stuttgart nach Koblenz seine grässlichen eiförmigen Sennheiser-Kopfhörer auspackt, die bestimmt einen fantastischen Klang abliefern, dann kann ich nur müde lächeln. Denn das ist sicherlich ganz großartig, welches Klangerlebnis ihm die Hörer liefern – aber wie schon gesagt: das Ausgangsmaterial von dem, was ich so höre ist im Vergleich zu dem, was die Freaks, die FLAC-Dateien abspielen so hören, ziemlich mies. Aber man ist ja daran gewöhnt.
Darüber hinaus sah der Kerl mit seinen Kopfhörern auch noch ziemlich beknackt aus. Und das ist der Faktor, der für mich gleichzusetzen ist mit dem Hörerlebnis, was ich „kaufe“: Aussehen des Geräts. Wenn ich ein (fast schon) Accessoire kaufe, was ich täglich tragen werde, dann soll es nicht aussehen, als wäre es vom Mond. Es soll schick sein, sich gut eingliedern und Spaß machen. Und das tut dieses Gerät. Wenn es von den Specs her minimal schlechter ist als ein gleichteures oder sogar billigeres Gerät, dann ist mir das egal. Und für teurere Kopfhörer sind Abspielgerät (das iPhone) und Musikgeschmack ohnehin zu schlecht.
Sehr schöne Wahl!
Eindrucksvoll erklärt wie es zu deiner Wahl kam, und du behälst in allen Punkten recht (auch, dass professionellere earphones oft schlechter aussehen (im Vgl.), aber müde lächeln würde ich trotzdem nicht über die “Anderen”, weil sie “beknackt” aussehen. Aussehen bedeutet nicht Alles, und manchmal sollte man sich eher wünschen es würde wenigstens positive Musik aus den earphones der Anderen dringen, und nicht das Opium für die Massen, und das reicht heute von David Guetta, über Kings of Leon und Lady Gaga bis hin zu Jack Johnson und Korn (sorry, der letzte Hieb musste sein!). Jedem das seine, wer sich für ein Design-Objekt entscheidet, sollte sich ebensowenig über die anderen erhöhen wie diejenigen, die im Vergleich zu marshall gute earphones nutzen. :)
So, und nun hast du’s mit diesem Artikel tatsächlich geschafft, dass ich meinen ersten Blog comment in 2 Jahren schreibe!
:) Ich denke ich habe einen guten Querschnitt gefunden.