(alternativer beknackter Titel: Spiel, Satz, Sieg.)
Irgendwie geht das alles ganz schön flott. Neulich war noch Oktober und Semesterbeginn, jetzt ist es nur noch der Rest der Woche und dann ist das erste Semester schon vorbei. Was folgt sind Ferien, Zeit für viele gute Projekte und Dinge, Reisen. Könnte gut werden.
Abschließend für dieses Semester gab es eine letzte Aufgabe, die sich mit Bleisatz und Hochdruck beschäftigt. Eigentlich eine recht spannende Komponente für die ich das Studium nicht missen möchte: “Am Rechner” klappt das alles ganz gut und gerade durch meine abgeschlossene Ausbildung bin ich da eigentlich fit. Woran der Workflow in Agenturen allerdings vorbeigeht (zumindest in denen, wo ich das mitbekam und das aus guten Gründen) ist all das Analoge, was eigentlich ziemlich viel Spaß macht. Also zum Beispiel Dinge ausschneiden aus Papier, Dinge scannen, neue Wege gehen, experimentieren. Warum? Weil es nicht rentabel ist – zumindest für die meisten Kunden. Die Anderen sehen den Unterschied zwischen handgemachten Schablonen, die man mit dem Skalpell ausgeschnitten hat oder einer digital geplotteten Schablone einfach nicht oder finden die digitale im schlimmsten Fall sogar noch schöner. Alles quatsch. Hin oder Her, in der Uni habe ich Zeit dafür und das macht Spaß. So auch dieses Projekt mit “experimenteller Typografie”.
Ziel war ein Buchcover zu gestalten und dieses dann im Bleisatz zu setzen und im Hochdruck zu drucken. Die Komponente der “experimentellen Typografie” kam gerade dadurch zur Geltung, dass man eben von Hand setzt, spationiert, und so. In meinem Fall war das Cover dann für den Roman “Der Fänger im Roggen” von J.D. Salinger.
Also, Layout gemacht, ausgedruckt, besprochen, gesetzt. Dass zwischen Layout gemacht und gesetzt etwa 12 Stunden Arbeitszeit lagen, war mir so nicht bewusst. Was ein bisschen Linien ziehen in InDesign sind, kann ganz schnell mal zu 3 Druckformen werden, weil man sich in den Kopf setzte, dreifarbig zu drucken. Denn: “10 Minuten layouten, Druck-PDF anlegen, zum Druck schicken” geht eben schneller als “10 Minuten layouten, Layout in die Farben separieren, einzelne Klischees setzen, in die Maschine einlegen”. Darüber hinaus hat mich dieses “in der Werkstatt arbeiten” ein bisschen fasziniert. Nicht wegen dem Handwerken, viel mehr wegen der Maschinen, wie man auch in der Fotostrecke sieht.
Natürlich stelle ich mir selbst jetzt die Frage, ob ich das Gelernte jemals wieder anwende und mir die Mühe mache, im Hochdruck von Hand zu drucken – Antwort: Ich hoffe, sofern ich Zeit dazu habe.
Denn eigentlich macht das alles ganz schön viel Spaß. Es dauert nur wirklich lange und zeigt zurecht, warum man diese Methode des Setzen und Druckens einfach nicht mehr anwendet.
Hier ganz unten noch ein Bild des fertigen Produkts, dem Cover für den Roman “Der Fänger im Roggen” von J.D. Salinger. Das Cover beschreibt die Situation des Protagonisten, der mit fortfahrender Geschichte zunehmenden Depressionen ausgesetzt ist und immer zerstreuter scheint. Die vertikalen Linien stehen symbolisch für das Labyrinth aus Hochhäusern, dem der Protagonist in New York ausgesetzt ist. Die Schwierigkeit lag besonders darin, dass ich nicht dachte, dass es so schwer werden würde, den zunehmenden Buchstabenabstand zu spationieren.
Hier die richtigen Abstände zu finden war garnicht so einfach.
15.02.2011, abgelegt in
Uni